1972

Die Kerwatradition blühte wieder auf

 

 

Die Schwarzenloher Kerwaboum machten sich in ihren frechen Liedern häufig über die Leerstetter lustig, weil diese keine Kerwa-boum vorweisen konnten. Obwohl sich viele Leerstetter darüber ärgerten, konnten sie sich nicht aufraffen, selbst Kerwaboum ins Leben zu rufen. Doch aufgrund eines Schlüsselerlebnisses im Jahr '71, fing man an, den Schwarzenloher Kerwaboum Paroli zu bieten.

Zur Zeit der Wendelsteiner Kerwa gingen sieben Leerstetter Burschen in das Cafe Bauer. Nach einer Weile begann eine Gruppe von Gastarbeitern, zusammen mit ihren deutschen Freunden, kurze Liedchen zu singen. Zwar verstanden die Leerstetter den Text nicht, aber sie wußten wohl, daß sie darauf mit einem Kerwalied antworten mußten. Problematisch an der Sache war allerdings, daß die jungen Burschen nur ganze zwei Lieder auf Lager hatten, und somit in Grund und Boden gesungen wurden. Wegen dieser Schmach beschlossen sie schließlich, das Kerwabrauchtum in Leerstetten endgültig wieder auferstehen zu lassen.
Am Kirchweihsamstag, gegen 17 Uhr war es dann soweit. Die junge Burschen stellten nach 13 Jahren wieder einen Kerwabaum gemäß alter fränkischer Tradition auf. Unter der Anleitung von Hans Baumgärtner und den Augen von vielen Kerwabesuchern wurde der prächtige Baum mit viel Geschick und einer Menge Schweiß in die rechte Position gebracht.

Erster Kerwabaum

Am Sonntag wurde mit dem Kerwawagen, der mit Eichenlaub und vielen bunten Bändern geschmückt war, durch Leerstetten gefahren. Vor den Wagen waren zwei wunderschöne Pferde von Werner Strobel aus Katzwang gespannt. Der laute aber wenig melodische Gesang, der damals durch die Straßen hallte, sollte zu einem Markenzeichen der Kerwaboum werden. Dass es mit dem Singen überhaupt klappte, dafür war Georg Engelhardt verantwortlich. In den Wochen vor der Kerwa studierte er mit den Brauchtumspionieren die wichtigsten Lieder ein. Auch damals war es, genau wie heute, fast nicht möglich zwei Stunden voller Inbrunst zu singen. Freundlicheweise wurden sie deshalb vom Posaunenchor aus Schwand begleitet.
Zu einer richtigen Kerwa gehörte natürlich auch ein Weckruf. So zogen die Kerwaboum am Kerwamontag um sechs Uhr los, um die Leerstetter aus ihren Betten zu heben. Nachdem der Weckruf um die Mittagszeit beendet war, ließ man die Kerwa zünftig ausklingen.

Dabei waren:
Hans Losert, Dieter Sörgel, Werner Stroech, Hans Mederer, Friedrich Mederer, Richard Hiltner, Fritz Müller, Simon Wellenhöfer, Friedrich Hertel, Dieter Kohl, Karl Bengsch, Stefan Jähner, Konrad Eckstein, Erhard Schneider, Horst Buchner, Erich Förster, Gerhard Renner, Karl Schrödel, Hans Schrödel, Rudolf Apellt, Konrad Sörgel

  

Die Kerwaboum beim Schmücken des Kerwawagens

 

1973

- Originalbericht der damaligen Kerwaboum -

 

 

 "Alles begann damit, dass sich 1972 zwanzig Leerstetter Jugendliche dazu bereit fanden, einen Kirchweihwagen zu fahren. Da aber ´72 alles so gut geklappt hatte, waren es 1973 schon 23 Kirchweihbuben. Nachdem unsere vorkirchweihlichen Proben alle gut besucht waren, stand unser Entschluss fest: auch ´73 sollte es eine zünftige Kirchweih geben.

Am Samstagmorgen der Kirchweih um 8.00 Uhr versammelten sich 19 arbeitswillige Kirchweihbuben vor dem Gasthaus Wellenhöfer.

Als ein Traktor besorgt war, fuhren wir in den "Ratzenwinkel", um unseren Kirchweihwagen zu schmücken. Einschließlich einer kräftigen Brotzeit war das in 3 ½ Stunden erledigt.

Nach dem Mittagessen fuhren wir nach Furth, wo Fritz Müller uns einen Kirchweihbaum besorgt hatte. Wir schnitten diesen ab und verluden ihn sorgfältig auf einen Baumwagen. Mit der Ziehharmonika-Begleitung unseres "Schorsch" Mößler brachten wir den Baum an seinen vorgesehenen Standplatz.

Während Werner Stroech die Jahreszahlen in den Baum schnitzte, waren die anderen eifrig damit beschäftigt, den Baum mit den von Frau Appelt gebundenen Kränzen und vielen bunten Bändern zu schmücken.

Mit viel "hau-ruck" und der Beteiligung aller Kirchweihbuben stand der Baum auch bald an seinem Platz.
Am Kirchweihsonntag gegen 13.00 Uhr versammelten wir uns wiederum beim Wellenhöfer. Der bei Fritz Müller untergestellte Kirchweihwagen wurde vor die beiden Schimmel der Firma Hennecke gespannt. Mit viel Musik, welche die "Skeeters" erzeugten, Gesang und Bier zogen uns die zwei Pferde, gelenkt von Herrn Kohl, durch ganz Leerstetten.

Am Montagmorgen um 6.00 Uhr trafen wir uns zu unserem vorgesehenen Weckruf. Daraus wurde aber nichts, da viele von uns nicht erschienen. Wir machten uns darüber aber keine Sorgen, sondern dehnten das Ganze zu einem ausgiebigen Frühschoppen aus.

Nach der Kassenbilanz von Hans Losert, waren sage und schreibe 264,- DM in unserer Kasse. Mit unserem nicht mehr so lauten Gesang, aber um so mehr Bier, verliehen wir unserer 73er Kirchweih einen guten Ausklang."

Dieter Sörgel

 

1974

 

   

Die Überschriften zum Kirchweihbericht 1974 lauteten "Nach schwerer Schufterei haben sich die Kerwaboum eine kühle Maß verdient" und "Zünftige Kerwaboum in Leerstetten". In den zwei Berichten ist fast ausschließlich von den Kerwaboum die Rede. Das zugrunde liegende Ereignis Kirchweih wird dabei nur am Rande erwähnt. Es wird mit Stolz und Anerkennung von den 18 Kerwaburschen berichtet, die "dem Brauch der Kirchweih die Treue halten".

 

In diesem Jahr wurde der Kerwabaum mit 28 Metern Länge in einer bis heute unerreichten Rekordzeit von sage und schreibe 20 Minuten hochgestemmt. Der Baum wurde damals schon von der Sparkasse Leerstetten gestiftet, die in diesem Jahr das Versprechen gab, "solange in dieser Form in Leerstetten Kerwa gefeiert wird" sorge sie für einen entsprechenden Baum.

   

 

Die Kerwaboum beim Baumaufstellen

 

Kerwaboum mit dem Kerwawagen am Sonntag-
mittag vor dem Wagenfahren

 

 

1975

 

   

Die Kerwa 1975 präsentierte sich im Regen. Gleich zur Einstimmung gingen am Freitag einige Regenschauer nieder, die sich am Samstag zu einem gleichmäßig anhaltendem Dauerregen entwickelten. Dasselbe Bild am Sonntag.
Trotz des schlechten Wetters wurde das geplante Programm der Kerwaboum konsequent durchgezogen. Am Samstag, nachdem sie den Kerwabaum ohne Zwischenfälle aufgestellt hatten, wurde der Bevölkerung ihre neue „Kerwa-Musi" vorgestellt. Vier Kerwaboum trafen sich bereits einige Monate vor der Kirchweih, um Kerwalieder einzustudieren.
Pünktlich zum Wagenfahren am Sonntag um 14.00 Uhr gingen wolkenbruchartige Regengüsse nieder. Die Kerwaboum mussten sich mit „dem Segen von oben" arrangieren und legten kurzerhand eine Plane über den geschmückten Wagen. Doch dies sollte nicht alles sein. Zum Überfluss fehlten die bestellten Gäule, die den Kerwawagen hätten ziehen sollen. Die Kerwaboum zeigten sich unbeugsam und spannten einen Traktor vor den Wagen. Das Wagenfahren fand bei strömendem Regen und guter Laune trotzdem statt. Das einzige, was auf der Strecke blieb, waren einige hundert Meter der traditionellen Route, die aufgrund des „Sauwetters" abgekürzt wurden.

 

Am Montagabend wurde programmgemäß das Austanzen des Kirchweihbetzen veranstaltet. Fortuna meinte es mit H. Böhm aus Schwand sehr gut, so dass das erste Zuchtpaar Brieftauben quasi als „Friedenstauben" in die Nachbargemeinde ging. Der auch damals schon mit Waschpulver gereinigte und Blumen geschmückte Betz blieb in Leerstetten. Er wurde von Stefan Eckstein gewonnen. Zur Überraschung der Zuschauer wurde noch ein Schwein verlost. Die Sau ging ebenfalls an die Familie Eckstein, genauer an Andreas Eckstein. Das Gelächter war groß, als sich die vermeintliche Sau als Meerschweinchen entpuppte.

"Aus der Kirchweih ist ein Fest der Bürger geworden". Mit dieser Überschrift im Schwabacher Tagblatt wurde die damals überraschend große Beteiligung der Bevölkerung aus dem Siedlungsgebiet kommentiert. Um das Siedlungsgebiet noch besser in das Gemeindeleben einzubinden, wurde an die Kerwaboum folgender Appell gerichtet: "Der Kirchweihwagen soll, bei hoffentlich besserem Wetter, im nächsten Jahr eine größere Tour fahren, die dann unbedingt das Siedlungsgebiet bestreicht".

   

 

In den Anfangsjahren fand das Betzenaustanzen im Saal
desGasthauses Wellenhöfer statt

 

Kerwaboum und -madli mit dem Betzengewinner
Stefan Eckstein

   

 

1976

 

   

Anläßlich ihrer fünften Kirchweih brachten die Kerwaboum Leerstetten ein Programmheft heraus. Der Erlös aus dem Verkauf der Festschrift ging an den Kindergarten Leerstetten.
Beim Baumaufstellen gab es dieses Jahr leider eine kleine Panne. Ein Haltedraht, mit dem einer der beiden Kränze befestigt worden war, hatte sich gelöst. Kurz entschlossen wurde eine Feuerwehrleiter herangefahren, die der Kerwabou Werner Stroech ebenso kurz entschlossen bestieg und diesen Fehler behob. Den Kerwabetzen, der wieder im Saal des Gasthauses Wellenhöfer verlost wurde, gewann Georg Sörgel aus Furth.

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Titelseite des Programmheftes

   
   

 

1977

 

Zum ersten Mal in der Geschichte der Gemeinde Leerstetten wurde zum Kirchweihfest ein Bierzelt aufgestellt. Bei der Bevölkerung stieß diese Neuerung auf große Resonanz. Heutzutage ist das gut gefüllte Festzelt an der Leerstetter Kirchweih zu einer Selbstverständlichkeit geworden.
1977 vervollständigten die Kerwaboum ihr Programm mit dem Tanz am Samstagabend beim Wellenhöfer und dem Kirchgang am Sonntagmorgen. Das so zustande gekommene Kerwaprogramm der Brauchtumspfleger, hat noch heute bestand.

 

Die Kerwaboum vor dem Wagenfahren mit dem
damaligen Bürgermeister Fritz Meyer

 
   

 

1978

 

Trotz eines Überfalls durch Wespen, schafften es die Leerstetter Kerwaboum den neuen Kerwabaum aufzustellen. Ein Schwarm der unliebsamen Insekten hatte sie bei dieser Arbeit überrascht.
Ein paar "Böse Buben" sind in diesem Jahr in den Betzenstall eingebrochen und haben den Hauptpreis mit Ölfarben bemalt.

 

Die Kerwaboum 1978

 
   

 

1979

 

In diesem Jahr war das Baumholen etwas Besonderes. Es sollte das erste und einzige Mal sein, dass der Kerwabaum mit einem Pferdegespann in den Ort gefahren wurde.
Erstmalig fand das Betzenaustanzen bei Familie Rühl im Hof statt. Zu dieser Prämiere kamen, trotz des schlechten Wetters, weit über 200 Besucher. Den Betz gewann unter dem Beifall der Zuschauer Fritz Schneider.

(Zeitungsartikel 1 Teil 1,Teil 2)(Zeitungsartikel 2)


Baumaufstellen am Samstag Nachmittag

 

Die Kerwaboum beim Verzieren des Baumstammes

 

 

1980

 

   

Obwohl die Kerwaboum noch die Restvorbereitungen für den Kerwawagen zu treffen hatten, fanden sie dieses Mal Zeit für eine Zusatzarbeit. Auf die Bitte eines freundlichen Spenders, dem der verwilderte Kirchgarten ein Dorn im Auge war, machten sich die Burschen munter ans Werk, dem Garten wieder ein ansehnliches Gesicht zu geben. Danach war es höchste Zeit, den Wagen fertig zu schmücken und den Baum aufzustellen, in den zum neunten Mal der Bierkrug und die Jahreszahl geschnitzt wurde. An die Spitze des Kerwawahrzeichens wurde eine Clubfahne, aus Freude über den Wiederaufstieg und den ersten Auswärtssieg der Nürnberger, befestigt.

 


Die Kerwaboum beim Mähen des Kirchgartens

Am Sonntag blieb, laut Schwabacher Tagblatt, die "große Schüchternheit" der Kerwaboum ein Rätsel, da sie die Siedlung im großen Bogen umfuhren. Scheinbar wollten sie die Nerven der schon genug strapazierten Bürger schonen. Wen wundert’s, war doch die Musik beim „Wogn foarn" auf beachtliche 6 Instrumente angewachsen und die Stimmen der 17 Kerwaboum noch nicht am Boden. Beim Betzenaustanzen am Montag, bei dem es über 20 wertvolle Naturalien-Preise wie Tauben, Hühner und Stallhasen gab, konnte der Hauptgewinner Jakob Reitenspieß seinem Betz sogar einen eigenen Stall anbieten. Ebenso wurde eine Ente und ein Wellensittich mit Käfig verlost.

 

Der fertig geschmückte Baum wird von den Kerwaboum in
das Loch gehoben

 

 

1981

 

Das neunte Existenzjahr der Kerwaboum war von der Neuorganisation der Brauchtumspfleger geprägt, mussten doch viele Gründungsmitglieder in den „Altkerwaboumruhestand" gehen. Wie man heute sieht, konnten die Nachwuchsprobleme gemeistert werden.
1981 warb man schon vor der Kirchweih mit einem Sonderpreis: Eine „Wildsau". Allerdings erwartete der Spender, dass das Tier von ein paar mutigen Kerwaboum im Gehege mit der Hand gefangen wird. Ein negatives Ereignis mußten die Kerwaboum in diesem Jahr hinnehmen, haben doch zwei neidische „Freunde" den Kerwabaum mit drei tiefen Schnitten geschändet und die neben den Baum vorbeiführende Kreisstraße gefährdet.

 

Aber auch dieses Problem konnte gemeistert werden, denn der Baum wurde mit Eisenschienen gestützt. So konnte das bunte Treiben im Altort und im Bierzelt seinen Lauf nehmen.
Beim Betzenaustanzen gab es heuer einige große Ereignisse. Der glückliche Gewinner des Sonderpreises war Altkerwabou und „Baumaufstellspezialist" Hans Baumgärtner. Der „Betz" wurde diesmal für Hans Igelhaut ausgetanzt. Nach dem traditionellen Ehrentanz des Gewinners wurden einige zehnmalige Kerwaboum und Musiker in den „Ruhestand" geschickt, sowie dem langjährigen Bestehen der „Kerwamusi" gedankt, die von Dieter Sörgel ins Leben gerufen wurde. (siehe Dorfband - RWB)

   
   

 

1982

 

Im vorigen Jahr wurde der Kerwabaum leider eingeschnitten. Aufgrund dieses Vorfalls hielten die Kerwaboum 1982 abwechselnd Baumwache, um einer erneuten Schandtat vorzubeugen. Die Wachen werden an der jeweils letzten Kerwaboumsitzung ausgelost und haben bis heute Bestand. Der Brauch besagt: “Der neue Kerwabaum darf in der ersten Nacht bis zum nächsten Morgen 6 Uhr beschädigt bzw. umgeschnitten werden”. Aber es gibt Kulturbanausen, die sich nicht an dieses fränkische Gebot halten und den Baum noch in der Nacht zum Kerwamontag schänden. Die Leerstetter Kerwaboum beschützen deshalb ihren Baum zusätzlich zur normalen Wache von Samstag 23.00 Uhr bis Sonntag 6.00 Uhr, auch noch in der Nacht von Sonntag auf Montag. Während dieser Zeit halten sich stündlich zwei Kerwaboum in der Nähe ihres Kerwasymbols auf.

 

Betzenaustanzen 1982
Die Leerstetter Jugend mit den Tierpreisen und dem
herrlich geschmückten Betz, den Severin Pöllet gewann

 
   

 

1983

 

Der Kerwabaum, der wie jedes Jahr aus dem Kesselschlag geholt wurde, ist heuer von den Kerwaboum ganz genau vermessen worden, er hatte nämlich eine Länge von 2934,17 cm. Leider existiert darüber keine amtliche Bestätigung. Die Kirchweih konnte mit einem reibungslosen Ablauf ohne Zwischenfälle glänzen.
Zum Betzenaustanzen ein Zitat aus dem Schwabacher Tagblatt:
„War es nun der Montag, den man als Höhepunkt bezeichnen sollte? Jedenfalls war eine große Zuschauermenge auf den „Rühlhof" gekommen, um als Zeuge der nach strengen Richtlinien der Kerwaboum durchgeführten Verlosung beizuwohnen. Dabei stand natürlich der Betz im Mittelpunkt und er war es auch in jeder Beziehung. Bis er aber seinen neuen Besitzer fand, tanzten die Boum und Madli zu der Musi der Kerwaband, unterbrochen von lustigen Kerwagstanzln. Den Hauptgewinn mit dem Kerwabetzn als Preis gewann Hermann Distler, der sich bescheiden im Hintergrund hielt. So mußte dann seine Ehefrau die Überraschung verkraften und den geschmückten Vierbeiner in Empfang nehmen."

 

Die Kerwaboum in Aufbruchsstimmung vor dem Wagenfahren

 
   

 

1984

 

Das „Schwabacher Tagblatt" berichtete, dass der Umfang einiger regionaler Kirchenfeste in den letzten Jahren immer mehr eingeschränkt wurde. Deshalb könne sich gerade Leerstetten glücklich schätzen, noch eine Kirchweih mit allem Drum und Dran zu besitzen. Um diese Tradition zu erhalten, hoffen besonders die Leerstetter Kerwaboum auch weiterhin neue und vor allem starke Burschen aufnehmen zu können.

Das prächtig geschmückte Kerwawagengespann

Wie wichtig eine große und kräftige Kerwaboummannschaft ist, konnte man spätestens am Samstagnachmittag beim Baumaufstellen beobachten. Das war selbst für 18 Kerwaboum kein leichtes Unterfangen, denn der Baum wies eine beachtliche Länge von 31 Metern auf. Trotzdem stemmten sie den Baum, von heftigen Regenschauern begleitet, innerhalb einer Stunde in die Senkrechte. Wegen des unbeständigen Wetters wurde das Wagenfahren am Sonntagnachmittag etwas vorverlegt. Wegen dieser kurzfristigen Programmänderung, verpassten leider einige Besucher den Kerwaumzug. Zum Schluss sei noch der glückliche Gewinner des diesjährigen Betzen, Rudolf Schumann, genannt.

 

 

Die Kerwaboum vor dem Wagenfahren

        
   

 

1985 und 1986

 

Bei dem traditionellen Betzenaustanzen am Montagabend im Hof der Familie Rühl gingen 1985 Friedrich und Waltraut Hertel als Betzengewinner hervor.
Der 30 Meter lange Baum mit seinem stattlichen Durchmesser musste aus Sicherheitsgründen um 5 Meter gekürzt werden.

 

"Gehfaule" Musik: v.l. Jörg Ruder, Hermann Maul, Gerhard Rühl

 

 


Die Kerwamusik beim Betzenaustanzen.
v.l. Harald Doberer, Jörg Ruder, Helmut Buschmann, Gerhard Rühl, Hermann Maul.

 


Die Kerwaboum mit ihrem Baum beim Einzug in die Ortschaft.

        
   

 

1987

 

   

Ein Auszug aus dem Schwabacher Tagblatt: "LEERSTETTEN (jr) - Wenn das Rathaus am Montag schon um 12 Uhr seine Pforten schließt, die Banken geschlossen haben und die B-Klassen-Fußballer des SV Leerstetten spielfrei sind, dann ist Kirchweih in Leerstetten. An diesem Wochenende war es wieder soweit, nachdem Bürgermeister Leonhard Kohl am Freitagabend das erste Fass [Anmerkung des Autors: Dieses Wort bereitet mir zwar körperliche Schmerzen, aber Rechtschreibreform ist Rechtschreibreform, oder vielleicht auch wieder nicht,wer weiß- auf jeden Fall sind wir ja moderne Kerwaboum!) angezapft hatte.“
Nebenbei bemerkt, die Brauchtumspfleger hatten in diesem Jahr ihr 15-jähriges Jubiläum. Sie sorgten wieder zuverlässig dafür, dass kein Leerstetter den Montagmorgen verschlafen konnte. Dies beweist ein weiterer Auszug aus dem Schwabacher Tagblatt: "... wer nicht rechtzeitig nach Hause gegangen, beziehungsweise geschwankt war, der musste am folgenden Montag für diese Unachtsamkeit büßen. Bereits in aller Früh, um 6.00 Uhr erschallte der Weckruf, damit auch ja kein Leerstettener Bürger die letzten Stunden der Kirchweih versäumt.“

   
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"In unsern stanin Grouch, dou genger fuchze Seidli nei, dou konnst net saufen gnouch, aus unsern stanin Grouch."

   
   

 

Anonym und intim berichtet


Manche Leut solln ja iber di Kerwa a biserla mehr essen und trinken, is ja scheih und schmeckt gout.

Aber di Folgn !!

Und drum erzähl i eich etz dai Gschicht vo aner Kerwa irgent wenn zwischa 1988 und 1993. Des wor a su. Am Samstoch nachm Bamaufstelln gänga alle Kerwaboum mit ihre Madli zum Siemer afs tanzen. Und wie hold des su is wema gscheid tanzt und a bor Maß trinkt, gricht ma halt aft Nacht an gscheitn Hunger. Dou her kummt worscheinli des Brotzeitmachen oder manche sogn Kaffetrinken geh.
Wie hold di Musi aufkehrt und jeder sei Maß ausgsuffn hat, sema nou zum Nachbern afs Kaffetrinken.
Nou hockt ma si halt a biserla in di Kichn und ißt und trinkt nu a wäng wos. Ihr wisst ja a wie des is. Aber aner wor dabei, des wor a ganz verfressner. Der hat in der Zeit wo da Kaffee scho zwa mol durchn gleichen Filter gloffen is, an ganzen Obstkoung gfressn und danoch nu 5-7 Wurschtwegli.

Und nou is basiert.

Sei Kerwamadla läft af a mol ganz rot uh und dout an druma Schrei: "Du moußt ja a Tonna daham hom zum Scheißn, su wie du frisst".
Nach dem Socher wor di Gaudi grouß. Aber des Kerwamadla hat ma seither in Leerstiedn nemmer gsehn.

   

 

1988

 

In diesem Jahr verlief die Kerwa für die Brauchtumspfleger ohne Probleme. Besonders erwähnenswert ist nur eine Sache, die das Schwabacher Tagblatt in ihrer Überschrift für den Kirchweihbericht wie folgt dokumentierte: "Betz für den 2. Bürgermeister". Fortuna sorgte dafür, dass Alfred Herzig, damals zweites Gemeindeoberhaupt, den Kerwabetz gewann.

   

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Etz tanz mer unsern Betzen aus mit seiner weißn Wolln,
fidralalalum, fidralalalum,
des Madla wou net tanzen ko, des is a alte Dolln,
fidralalalum, kennst di aus.

 

Nummer 185, Dienstag 15.8.1989


Bürgermeister Kohl bereitet dem Schabernack auf der Kirchweih ein Ende

Der Kärwabonsai mußte weg

Leerstettener Kärwaboum hatten sich in Schwand herrlichen Scherz erlaubt - von der Kiefer hing das Wappentier herab - Thema für den Faschingszug?

SCHWAND (gb) - In Schwand gibt es immer wieder `mal was Neues - diesmal sorgten die Kerwaboum aus Leerstetten für Aufsehen. Am Samstagnachmittag hatten sie sich einen herrlichen Gag erlaubt - sie stellten auf dem Marktplatz einen Kirchweihbaum auf.

In ihrer „Kerwaboum-Uniform" und mit Musik waren die jungen Männer erschienen und sie hatten für die Schwander den „Kerwa-Bonsai 1989" dabei.

Dieser Bonsai war keine Fichte, sondern eine Kiefer, von der das Schwanstettener Wappentier herunterhing, wie sonst auf dem Emblem des Karneval Clubs zu sehen. Natürlich gab es einen Auflauf. Viele Schwander fanden diese Vorstellung „einfach Spitze" und andere fühlten sich in ihrer Ehre verletzt.

Wohl deswegen wurde auch Bürgermeister Leonhard Kohl verständigt, der dann anordnete, daß der „Schabernack" wieder abgebaut werden müsse. Schließlich hatte man ohne Genehmigung auf gemeindlichen Grund gegraben und dies könne natürlich nicht gebilligt werden.

Ehe sich die Schwander, die den „Kerwa-Bonsai" gerne selber abschneiden wollten, versahen, hatten die Kerwaboum diese „Schande" wieder beseitigt.
Eigentlich wollten die Leerstetter Kerwaboum die Schwander Freunde dazu aufmuntern, im nächsten Jahr wieder selber Kerwaboum zu spielen, da die „alte Tradition nicht aussterben soll". Daß gegen sie eine Amtsperson einschreiten würde, damit hatten sie nicht gerechnet.

Die Schwander mögen sich erinnern: Vor vielen Jahren war alles umgekehrt. Da waren die Schwander Kerwaboum auf den Straßen Leerstettens zu finden, als sie mit ihrem Wagenrad das Kirchweihprogramm bereichern wollten, weil Leerstetten keine Kerwaboum hatte. Nun steht es 1:1.

Die Schwander Kerwa könnte beim nächsten Faschingszug Thema sein. Da kann man jetzt schon raten, wer wohl dargestellt werden könnte. Die lustigen Leerstetter Kerwaboum, die nicht vorhandenen Schwander Kerwaboum oder die „reinigende Amtsperson" Leonhard Kohl.
Tags zuvor hatte Schwanstettens Gemeindeoberhaupt übrigens eine angenehmere Amtshandlung zu bewältigen - er mußte das erste Faß Kirchweihbier im Festzelt anzapfen ....

Die Leerstetter Kerwaboum vor Ihrem Bonsai in Schwand

   
   

 

1989

 

   

Die Kerwaboum Leerstetten demonstrierten an ihrem Festwochenende wie eine mustergültige fränkische Kirchweih aussehen sollte. Unentbehrlich ist zum Beispiel ein ordentliches "Kerwasymbol". Der Kerwabaum war mit seinen 28 Metern alles andere als ein "Bonsai". Er wurde unter der Regie von Kurt Meyer Stück für Stück in die Höhe gestemmt.

   

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(Zeitungsartikel 1)(Zeitungsartikel 2)(Zeitungsartikel 3)

Und di Schwander stehn vor ihrm Bam und die könna die Schand gor net glaubm
unglaublich do steht er mit schlappe acht Meter und di Schwander stehn vor ihrm Bam.

 

Skifahren 1990

   


- Bericht eines Teilnehmers -

"Als wir zu acht auf die Reise gingen, freuten wir uns auf schönes Wetter und guten Schnee. Kurz gesagt, auf optimale Verhältnisse. Es sollte jedoch ganz anders kommen. Endlich am Ziel, waren wir nicht wie geplant in Saalbach - Hinterglemm untergebracht, sondern in einem Vorort, ca. 10 km entfernt. Nach einer langen Nacht wurden wir am nächsten Morgen mit dem Bus in den "tief eingeschneiten" Skiort gebracht. Die Bernkogelbahn brachte uns auf eine Höhe von 1740 m. Bei +16 ° C schnallten wir die Bretter an und zogen die ersten Linien durch den Schnee. Kaum um die erste Kurve gefahren, bot sich uns ein schauriger Anblick. Die Sonne hatte hier ganze Arbeit geleistet. Es schien Frühling zu sein, die Blumen blühten und die Gräser sprießten. Wir entledigten uns unserer Skier und begannen zum nächsten Lift zu wandern. Am nächsten Tag das gleiche Bild. Temperaturen die zum Baden einluden. Wer jetzt glaubt, wir hätten keinen Spaß gehabt, der irrt sich.“


Die Mannschaft am Gipfel. von links: Gisi, Mike, Gerald, Thomas,
Frank, Michaela, Jack, Richard.

 

Wandern ist des Skifahrers Lust?!

 

1990

Am Kirchweihsamstag wurde ein neuer Rekordkerwabaum aufgestellt. Seine ehrliche Länge von 31 Metern bereitete allerdings erhebliche Probleme. Noch heute spricht man in eingeweihten Kreisen vom "Mammut-Baum", der nicht nur durch seine Länge bestach, sondern vor allem durch den gewaltigen Durchmesser.
Der damalige Chef der Kerwaboum, Jörg Ruder, hatte am Montag eine Ehrung vorzunehmen. Mit Werner Rühl und Hermann Maul gab es zwei Aktive, die seit 10 Jahren den Leerstetter Kerwaboum angehörten. Im Anschluss an diese Ehrung wurde der Hauptpreis gezogen. Das Losglück wollte es, dass Werner Stroech zum Gewinner dieses wolligen Gesellen wurde.

   

4

 

Zehn Johr worns Kerwaboum, dou homs recht vill gsuffn,
etza wous ans Heiratn geht dou schiebns di große Muffn
drullala di drullala Zwetschger sin ka Pflauma
drullala di drullala rutsch ma a weng draf rum.

   

 

1991

 

Am Kirchweihsamstag konnte der Kerwabaum erst mit Verspätung aufgestellt werden. Grund für das verspätete Einholen und Aufstellen war ein dummer Streich. Der bereits gefällte und entastete Baum, lag ohne seine Zierde, der Spitze, im Wald. Die Kerwaboum vermuteten, dass wieder `mal ein "Neidhammel" am Werk gewesen war. In aller Eile musste ein neuer Baum gefällt werden. Das Schwabacher Tagblatt, das von dieser Geschichte Wind bekommen hatte, stellte die Frage: "Brauchtum oder Sabotage?”
Ein weiterer, wenn auch lustigerer, Sabotageakt fand auf dem Hof der "Ecksteins" statt. Den beiden Neukerwaboum Harald Reichert und Uli Klein gingen einige fleißige Kerwamadla beim Betzenwaschen zur Hand. Die beiden bemerkten allerdings zu spät, dass ihnen ein Haarshampoo mit Fär-bemittel untergeschoben wurde. So gab es 1991 einen rosaroten Betzen.
Am Montagabend wurde traditionell im Rühlshof das Betzenaustanzen durchgeführt. Bei diesem Anlass wurden die Kerwaboum Ruder Jörg, Sommer Gerhard und Leikam Richard für 10 Jahre Trinkfestigkeit und Brauchtumspflege zu Altkerwaboum erhoben. Gewinner des rosa roten Hauptpreises war Loni Meyer.

 

Die schwierigste Aufgabe beim Betzenwaschen, das Hineinlegen des Schafes.
Hierbei kann es schon mal vorkommen, dass der Kerwabou zuerst “gebadet" wird.

 

Die "Jungfuchs`n" beim Schrubben des Fells

 

Die Neukerwaboum beim Kampf mit dem Betz`n

 

1992

 

Was lange währt wird endlich gut. Unter diesem Motto haben die Leerstetter Kerwaboum ihre Bildertafel enthüllt. Nach der Begrüßung durch Mike Theiler wurde der Werdegang des Bildes näher erläutert. Von der Idee bis zur Fertigstellung ist etwa ein dreiviertel Jahr vergangen. In der Zeit wurden vom Hobbyfotographen Hans Erlbacher die einzelnen Bilder angefertigt. Die Bildgestaltung wurde an den Leerstetter Maler Sepp Ottmann vergeben. Natürlich brauchte das Bild auch noch einen Rahmen. Diese Arbeit wurde in professionelle Hände gegeben.
Am 2. April war es dann soweit. Die Altkerwaboum und damals aktiven Kerwaboum trafen sich im Gasthaus Wellenhöfer. Nachdem das Bild enthüllt war, würdigte man die gute Arbeit des Malers und des Fotographen mit einem kleinen Erinnerungsgeschenk. Ebenso erhielt auch Gastwirt Simon Wellenhöfer für seine langjährige Bewirtung eine gebührende Anerkennung.
Das Bild bekam seinen festen Platz in der Wirtsstube. Nach dem offiziellen, folgte der gemütliche Teil und es wurde kräftig gefeiert.

 

 

Bildertafel zum 20-jährigen Jubiläum der Kerwaboum Leerstetten,
die heute in der Gaststätte Wellenhöfer ihren Platz hat.

 

Anläßlich ihres 20-jährigen Bestehens, hatten die 17 Kerwa-boum viel zu tun, denn es galt ein paar Hindernisse aus dem Weg zu räumen.
Das aus Sicherheitsgründen mit Holzdielen abgedeckte Loch wurde in der Nacht von Freitag auf Samstag, durch unbekannte Täter, fast bis zur Hälfte wieder aufgefüllt. Nach Mitternacht entdeckten einige Kerwaboum die entsetzliche Schandtat und handelten sofort. Nach einer Wette schaufelte der Kerwabou Erich Maul noch in der selben Nacht das Loch ganz alleine wieder aus.
Dies sollte jedoch nicht das einzige Attentat gegen die Kerwaboum gewesen sein. In der darauffolgenden Nacht versuchten "Halunken" den Kerwawagen zu entführen.
Zitat aus dem Schwabacher Tagblatt:
"Die Kerwaboum hatten am Samstag ihren Kerwabaum aufgestellt und, wie es sich gehört, in der Nacht bewacht. Doch ein paar schwarz gekleidete "Halunken" war es gelungen, in den Rühl-Hof zu schleichen, in dem der Kerwawagen untergebracht war. Die Übeltäter hatten den Wagen schon aus der Scheune geschoben und beinahe in "Sicherheit" gebracht, als sich die Kühe meldeten. Sie brüllten so sehr, dass der Landwirt Heinrich Rühl aus dem Haus kam, um nach dem Rechten zu sehen. Ein Kerwabou hatte einen "Geistesblitz" und sah in der Scheune nach dem Wagen. Mit dem entsetzten Schrei "Der Kerwawoong isg`stulln" wurde es auf dem Anwesen sehr lebendig. Die "Wagenklauer" nahmen daraufhin die Beine unter die Arme und rannten, wie sie nur konnten. Sie entkamen unerkannt.”
Beim Betzenaustanzen am Montag, wurde dem Anführer der Kerwaboum, Mike Theiler, vom damaligen Bürgermeister Alfred Herzig, anläßlich des Jubiläums ein Bierkrug überreicht. Er dankte damit den Kerwaboum für die Aufrechterhaltung des fränkischen Brauchtums in Leerstetten. Den Betz gewann anschließend Leo Rabus.

  

Der von Bürgermeister Alfred Herzig überreichte Bierkrug zum 20-jährigen Jubiläum. Bei den Kerwaboum wird der Krug liebevoll "Lies`l" genannt.

 

 

1993

 

Eine Kirchweih wie im Bilderbuch. Das ausgesprochen gute Wetter, was in den vergangenen Jahren selten war, sorgte für vier gelungene Kerwatage. Die Kerwaboum konnten ihr Programm ohne Probleme durchführen. Das Schwabacher Tagblatt berichtete in diesem Jahr u.a. von der, nur noch in Leerstetten praktizierten, Befestigungsmethode des Kerwabaumes. Zitat aus dem Tagblatt: "Die Leerstetter Kerwaboum gehören zu den letzten, die ihren Kerwabaum ohne andere Hilfskonstruktionen in der Erde festrammen. Damit der Baum solide steht, muss das Loch knapp drei Meter tief sein und zur endgültigen Sicherheit sitzt unten drin noch der "Gerch vom Luuch", der das ganze Jahr über den Baum schön festhält. Nur in der Nacht zum Samstag, wenn das Loch offen ist, hat der Gerch Ausgang und amüsiert sich im Bierzelt". Den geschmückten Betz gewann 1993 Harald Augsdörfer.

 

Die letzten Vorbereitungen vor dem Wagenfahren im Rühlhof

 

 

1994

 

 

Kerwabänkla

Höhere Mächte, man kann auch sagen starke Windböen, sorgten im Februar 1994 dafür, daß der Kerwabaum von 1993 schon vor der Kerwa umgelegt werden mußte. Der Sturm brach die prachtvolle Spitze des Baumes ab. Da die Kerwaboum den beschädigten Baum nicht bis zum Kerwafreitag stehen lassen wollten, beschlossen sie, aus dem Stamm ein Kerwabänkla zu bauen. Nach mehrwöchiger Planungsphase konnten sie sich auf eine der zahlreichen Skizzen einigen und begaben sich an die Arbeit. Es entstand ein wahres Meisterstück, voller Eleganz und Formschönheit. Ein Detail der präzisen Ausarbeitung sind z.B. die versenkten Schraubenköpfe. Das Leerstetter Kerwabänkla, wahrscheinlich das einzige seiner Art auf der Welt, musste natürlich auch gebührend eingeweiht werden. Dass die Einweihungsfeier ein voller Erfolg wurde, versteht sich von selbst.

 

Jeder Mitbürger und Freund der Kerwaboum aus nah und fern,
ist herzlich eingeladen, sich auf der Bank auszuruhen
und auf die nächste Kerwa zu warten.

 

 

   

33

Die 13 Kerwaboum, Sonntagnachmittag vor dem Wagenfahren.

 

Kerwabericht

Am Kerwafreitag hatten die Kerwaboum ein leichtes Spiel. Sie konnten sich zum Ausschaufeln des 2,5 Meter tiefen Loches etwas mehr Zeit lassen, da wie oben berichtet, der Kerwabaum schon vor der Kirchweih umgelegt wurde. Das Baumaufstellen und Wagenfahren fand, wie in den meisten Jahren, planmäßig und ohne Zwischenfälle statt. Ein ganz besonderer Höhepunkt der Leerstetter Kerwa war heuer das Betzenaustanzen. Die anwesenden Zuschauer staunten nicht schlecht, als die Kerwaboum mit ihren Kerwamadli zum Betzenaustanzen einliefen. Allen vorweg ging der Ober-kerwabou "Mike" Theiler, nicht mit seiner Lederhose, sondern mit einem Schottenrock bekleidet und spielte auf einem echten Dudelsack Kerwalieder. Der Anlaß für dieses kulturell und musikalisch einmalige Ereig-nis war das zehnte Dienstjahr von Michael Theiler, sozusagen sein offizielles Abschiedsgstanz`l. Den liebevoll geschmückten Kerwabetzen gewann heuer Hans Steyer. Anschließend hatte er die Ehre mit seiner Frau den traditionellen "Betzenwalzer" zu tanzen.

   

 

1995

 

   

Die Kerwaboum und -madli in Bella Italia

Als die Kerwaboum in den Bus nach Cattolica einstiegen, wurden ihre Befürchtungen, den Altersdurchschnitt der Mitreisenden deutlich zu senken, wahr. Alle Beteiligten, alt wie jung, überstanden jedoch die Strapazen der 14-stündigen Busfahrt ohne Schaden. Das schöne Wetter bei der Ankunft nutzten die meisten sofort zu einem ausgedehnten Strandbesuch.
Bei den Abendmahlzeiten kamen die Leerstetter immer als letzte an die Reihe, bekamen aber von dem jonglierenden Kellner meist noch Extraportionen für ihre nicht satt zu kriegenden Mägen. Schon am zweiten Abend brachten sie mit „Lederhos`n" und „Kerwaliedla" fränkisches Flair in die hauseigene Bar. Nach einer spontanen Weinprobe (Kultur musste sein!), zu der sie die Betreuer einer im gleichem Hotel untergebrachte Fürther Jugendmannschaft eingeladen hatten, verabredeten sie sich zu einem Fußballspiel am nächsten Tag.
Die zu klein geratene Kerwaboummannschaft wurde von den Kerwamädels entscheidend verstärkt. Beim Stande von 2:2 schoss Klaus Rühl, sprichwörtlich mit dem Abschlußpfiff, das Siegtor.

 

Ein lustiger Abend entstand durch Frauen - Männer Differenzen. Während die Mädels mit dem Roller die Umgebung erkundeten und einige sich in einer Open-Air-Disco vergnügten, versuchte der Rest, Michael-Schuhmacher-Talente beim Cardfahren zu wecken. Nachts trafen sich dann alle wieder zur „Versöhnung" bei einer ausgelassenen Zimmerfete.
Das war nur ein kleiner Auszug von einer erlebnisreichen Woche, die wie alles Schöne viel zu schnell zu Ende war.


Kerwabericht

In diesem Jahr hatten die Leerstetter Kerwaboum schon frühzeitig Gelegen-heit ihre Kerwalieder einzustudieren. Bei dem einwöchigen Ausflug nach Cattolica (Italien) kam so mancher Tourist in den Genuss von fränkischen Kerwagstanzerl´n. Erfreulicherweise konnten 1995 einige neue Gesichter in den Reihen der Kerwaboum begrüßt werden. Auf Dauer kann nur so das fränkische Brauchtum in Leerstetten aufrechterhalten werden.
Beim Betzenaustanzen am Montag wurden wieder zahlreiche Preise wie Enten, Gänse, Hennen, Biergutscheine, Reh- und Wildschweinbraten, Karpfen, Hasen und ein Spanferkel verlost. Bevor der Oberkerwabou Klaus Rühl, den Betzngewinner Helmut Hertel zum Betzenwalzer aufforderte, wurde Erich Maul die Ehrenurkunde für zehnjährige Mitgliedschaft überreicht.

 

Blick in den Kerwawagen, in dem die Musiker sowie einige lautstarke
Kerwaboum und zwei, drei Fässer Bier Platz finden müssen

 

Das prachtvolle Pferdegespann mit Kerwawagen

 

 

1996

 


Wachwagen vor der Renovierung

 

Im Leerstetter "Unterdorf" gab es in diesem Jahr einige bauliche Veränderungen. Aus diesem Grund wurde u.a. das alte Milchhaus gegenüber dem Gasthaus Wellenhöfer abgerissen. Die Kerwaboum hielten in früheren Jahren am "Milchhäusla" Wache, um so den Kerwabaum vor Baumschändern zu schützen. Um auch in diesem Jahr während der Baumwache ein Dach über dem Kopf zu haben, mussten sie sich nun etwas Neues einfallen lassen. Sie kamen auf die Idee einen Bauwagen als Wachstätte zu verwenden. Der Vorteil besteht in der Mobilität, denn der "Wachwagen" kann während der Kerwa direkt vor dem Baum geparkt werden und nach der Kerwa wieder problemlos seinen ursprünglichen Zweck erfüllen. Die Zimmerei Stroech stellte den Kerwaburschen einen schon längere Zeit nicht mehr genutzten Bauwagen zur Verfügung. Das Vehikel wurde renoviert und mit einer Biergarnitur sowie einem Kühlschrank ausgestattet. Der "Wachwagen" war geboren. Der Bauwagen wurde so gut aufgemöbelt, dass er außerhalb der Kerwasaison, bei der Zimmerei Stroech wieder zum normalen Einsatz kommen konnte.
Aufgrund einer Wette, die Jörg Ruder verloren hatte, konnten sich die Kerwaboum 1996 über einen hochqualifizierten "Gaybetzenhalter" freuen. Altkerwabou Jörg Ruder hielt während des Betzenaustanzens den Hauptpreis und überreichte ihn anschließend dem glücklichen Gewinner Johann Schmidt. An dieser Stelle muss noch Klaus Rühl erwähnt werden. Er wurde in diesem Jahr für seine 10-jährige Mitgliedschaft zum Altkerwabou ernannt.

     


Altes "Milchhäusla”

 

Renovierter Wachwagen

 

1997

 

   

Kerwaboum Leerstetten „on Tour"

- Bericht eines Teilnehmers -

„Am Freitag den 16.5.1997 versammelten wir uns um die Mittagszeit im Gasthaus Wellenhöfer, um gemeinsam unseren Spanienurlaub anzutreten. Wir, das waren in diesem Fall neun Kerwaboum und leider nur ein Kerwamadla.
Nachdem wir unsere letzte deftige Brotzeit verputzt hatten, machten wir uns samt unseren sieben Sachen auf den Weg zum Abfahrtspunkt am Wasserturm. Dort wartete auch schon ein 4 Sterne-air-condisioned-Bus. Nach einer kurzen Begrüßung durch die Crew, die aus zwei Busfahrern und zwei Busbegleiterinnen bestand, fuhren wir zunächst nach Augsburg und Kempten, wo sich einige andere Reiselustige zu uns gesellten. Danach ging`s endlich los in Richtung Spanien.
Die super gelaunte Crew an Bord des Busses versorgte uns bestens, so dass bereits die 19-stündige Busfahrt zu einer Art Vorurlaub wurde.
Über Österreich, die Schweiz und Frankreich erreichten wir schließlich unser Reiseziel Llorett de Mar. Im Hotel „Maria del Mar" bezogen wir Quartier. Schon am ersten Abend fanden wir sehr schnell heraus, was das Städtchen am Meer so zu bieten hat. Unsere Erwartungen waren groß, denn laut „Marco Polo"-Reiseführer sollte hier „die Zentrale des Irrenhauses Spanien" sein. Die Disco „Moby Dick" wurde unseren Ansprüchen gerecht und wurde darum zum abendlichen Startpunkt.
Am ersten Vormittag wollten wir eigentlich alle im Meer baden. Leider kamen wir nur zweieinhalb Meter weit, da die Wassertemperatur jenseits von Gut und Böse lag. Baden war also passé. Sonnen und Bräunen stand jedoch durchaus auf der Tagesordnung. Natürlich glichen die eifrigsten Sonnenanbeter schon nach einigen Stunden den roten Meeresbewohnern.
Das Freizeitbad „Waterworld" war Programmpunkt an einem unserer acht Tage. Einer der Höhepunkte war mit Sicherheit die Megarutsche hinab ins kühle Nass. Abends hieß es wieder tanzen, Sangria, Cuba Libre und anschließend ins Bett fallen.
An einem weiteren Abend versuchten wir uns im Bullenreiten. Einzig und allein unser Zimmermann Marco schaffte es, den Bullen zu bezwingen und verdiente sich damit eine Flasche Sekt.
Kurz gesagt, wir ließen es uns während der ganzen Zeit an der Costa Brava gut gehen, sangen, tranken, jubelten und aßen Paela. Trotzdem freuten wir uns am darauffolgenden Samstag auf zu Hause, da 10 Tage Kerwaboumurlaub mächtig an den Kräften zehren können.
Am Sonntagmittag wurden wir wohlbehütet von unserer Bordcrew auf Leerstetter Boden abgesetzt.“

Kerwa, das heißt für die Kerwaboum nicht nur feiern, sondern
auch ein anstrengendes Programm!

Für die Kerwaboum beginnt die Leerstetter Kerwa schon 2 Monate vorher. Anfang Juli werden die ersten Sitzungen jeweils montags und freitags abgehalten. An den Sitzungen wird natürlich auch gesungen, so dass den jüngeren Kerwaboum genügend Zeit bleibt, sich mit den Kerwaliedern vertraut zu machen. Zu den Vorbereitungen der Brauchtumspfleger gehört es unter anderem die grünen Halstücher für die Kerwaboum, Schleifen und Bänder zum Baum- und Wagenschmücken zu bestellen, eine Versicherung abzuschließen sowie die Lose für das Betzenaustanzen zu besorgen. Außerdem muss ein Termin mit dem Forstamt vereinbart werden, an dem der neue Kerwabaum ausgewählt wird. Besonders wichtig ist außerdem das Bestellen der Rösser zum Wagenfahren am Sonntagnachmittag.
In der Woche vor Kirchweihbeginn wird jeden Abend eine Sitzung abgehalten. Der wichtigste Termin ist vermutlich die Tanzprobe am Mittwochabend. Hier kann der Kerwabou mit seinem Kerwamadla nochmals ungestört für das Betzenaustanzen üben. Dies ist die einzige Sitzung, an der die Kerwamadli gern gesehen werden. Am Donnerstagnachmittag wird der Kerwawagen hergerichtet. Abends findet während der Generalprobe die Auslosung der Baumwachen statt.

 

 

Der offizielle Teil der Kerwa beginnt für die Kerwaboum am Freitag um 9.30 Uhr mit einer deftigen Schlachtschüssel. Frisch gestärkt stehen ihnen zwei arbeitsreiche Tage bevor. Die Kerwaboum teilen sich in kleine Gruppen auf und begeben sich an die Arbeit. Es werden die drei „Schwalben" gebunden, die zum Umlegen des alten und zum Aufstellen des neuen Kerwabaumes benötigt werden. Eine Gruppe holt Birken, die vor dem Eingang der Kirche und den örtlichen Gaststätten aufgestellt werden. Einige Kerwaboum fahren in den Wald um Fichtenzweige zu holen, die von den Leerstetter Mädls und Kerwamädls zu Kränzen für den Kerwabaum gebunden werden. Zwei Kerwaboum fahren zusammen mit dem Förster in den Wald, um den neuen Kerwabaum auszusuchen. Nachmittags wird sich gemeinsam an die Arbeit gemacht, um den alten Kerwabaum auszuschaufeln und umzulegen. Den arbeitsreichen Freitag lassen die Kerwaboum im Bierzelt oder im Gasthaus Wellenhöfer ausklingen.
Am Samstag um 7.00 Uhr in der Früh geht es dann weiter. Die Kerwaboum fahren zum „Wagenputzen" den Kerwawagen mit dem Traktor in den Wald. In den früheren Jahren wurde der Wagen mit Eichenlaub geschmückt. Da der Eichenbestand in den Leerstetter Wäldern immer weiter abnimmt, ver-wenden die Kerwaboum seit etwa 5 Jahren nur noch Birken, die sie aus einer Birkenschonung der Gärtnerei Feinauer zur Verfügung gestellt bekommen. Ab 12.30 Uhr beginnt die schwerste Arbeit, sie fahren in den Wald, um ihren Kerwabaum zu holen. Der Baum wird mit vereinten Kräften aus dem Wald getragen und auf die Ackerschiene eines Traktors und einen „Nachläufer" gelegt. Nach dieser schweißtreibenden Arbeit wird der Kerwabaum mit Musik und Gesang in den Ort gefahren. Dort erhält der Baum seinen letzten Schönheitsschliff. Die Krone und die Kränze werden mit bunten Schleifen ver-ziert. In den Stamm wird ein Maßkrug, die Jahreszahl und die Baumnummer einge-stemmt. Nach diesen letzten Vorbereitungen wird das „Kerwasymbol" mit den „Schwalben" in die Senkrechte gestemmt und das Loch zugeschüttet. Nach dieser Aktion ist die meiste Arbeit für die Kerwaboum vollbracht und man trifft sie am Samstagabend zusammen mit den Kerwamädls im Gasthaus Wellenhöfer zum alljährlichen Kerwatanz.
Sonntagmorgen um 10.00 Uhr steht der gemeinsame Kirchgang auf dem Programm. Ab 13.00 Uhr werden die letzten Vorbereitungen für das Wagenfahren getroffen. Los geht es um 13.30 Uhr im Hof der Familie Rühl. Von da aus fährt man mit dem Kerwawagen durch das Dorf bis zum Bierzelt. Dabei wird Musik gespielt, Kerwalieder gesungen und an die Zuschauer Freibier ausgeschenkt.
Nach der letzten Baumwache beginnt der Montagmorgen für die Kerwaboum um 6.00 Uhr mit dem Weckruf. Dabei ziehen die Brauchtumspfleger von Haus zu Haus und singen Kerwalieder. Nach dem Weckruf um ca. 12.00 Uhr machen sich die jüngsten Kerwaboum auf, um den Kerwabetz zu waschen.
Vor dem Betzenaustanzen treffen sich alle Kerwaboum und Madli bei Familie Eckstein im Hof. Um 19.00 Uhr laufen sie, begleitet von der Kerwamusik und den Tierpreisen, in Richtung Rühlhof los. Dort findet das Betzenaustanzen statt. Hiermit ist das Programm der Kerwaboum schon fast beendet. Der Kerwaausklang ist dann um 24.00 Uhr am Kerwabaum. Zum Dank für ihre Mühe und Geduld bekommt hier das Kerwamadla von ihrem Kerwaboum das grüne Halstuch geschenkt.
Am Dienstag um 11.00 Uhr wird gemeinsam aufgeräumt. Die „Schwalben" werden aufgebunden und weggeräumt, der Kerwawagen von den Birken befreit, der Wachwagen gesäubert und zurückgegeben.
Das Kerwajahr wird allerdings erst Anfang Oktober, mit dem Grillabend, der sogenann-ten „Nachkerwa", beendet.